Wer London nur mit Big Ben, roten Bussen und Buckingham Palace verbindet, hat noch ein paar Überraschungen vor sich. Eine davon steht in Kensington: Leighton House, das ehemalige Zuhause des viktorianischen Malers Frederic, Lord Leighton (1830–1896).
Und „Zuhause“ ist hier ein ziemlich großzügiger Begriff. Leighton erwarb das Grundstück 1864, der Bau begann 1865 und bereits 1866 konnte er einziehen. Fertig war das Haus damit allerdings noch lange nicht. Über fast 30 Jahre ließ der Künstler immer wieder umbauen und erweitern – offenbar war „Ich bin mit meinem Haus zufrieden“ nicht sein Lieblingssatz.
Das absolute Highlight ist die Arab Hall, die ab 1877 entstand. Leighton wollte darin seine beeindruckende Sammlung islamischer Keramik präsentieren. Heute befinden sich dort mehr als 1.000 islamische Fliesen. Über 600 stammen aus Syrien, weitere rund 230 aus Westanatolien in der heutigen Türkei. Viele der Fliesen stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Leighton sammelte aber nicht einfach nur auf Antiquitätenmärkten. Auf seinen Reisen, unter anderem nach Konstantinopel und Rhodos, begann er intensiv Keramik zu sammeln.
Leighton House ist deshalb nicht nur ein Museum, sondern erzählt auch die Geschichte eines ziemlich außergewöhnlichen Künstlerlebens: Maleratelier, Wohnhaus, Sammlung und architektonisches Experiment in einem.
Wer London schon ein bisschen kennt und keine Lust auf die nächste Standard-Sehenswürdigkeit hat, sollte Kensington auf die Liste setzen. Leighton House ist historisch, überraschend und spektakulär – und beweist eindrucksvoll, dass Londons spannendste Geschichten manchmal hinter einer ziemlich unscheinbaren Fassade beginnen.
Last Updated on 6. September 2026 by mizzipalumi